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DOUBLES LASSEN DIE WÖRTER VON DER LEINE - - - - -
DOUBLES LET THE WORDS OFF THE LEASH
Grundsteingasse 35, 1160 Wien, 30.05.–30.06.2026
Was passiert eigentlich, wenn Kunstwerke wiederholt werden? Meine Arbeiten sind ohnehin nicht in der Weise einzigartig wie Malerei, bei der jeder Pinselstrich eine Singularität
ist. Sie folgen einem digitalen Entwurf, es gibt Schnittmuster aus Papier, die
sie reproduzierbar machen und die ich aufbewahre, auch wenn ich normalerweise
davon absehe, Dubletten oder Varianten umzusetzen. Für die Ausstellung »doubles
lassen die wörter von der leine« habe ich alle bisher entstandenen Textilbilder im
Maßstab 1:15 als Stickereien reproduziert – sodass sie in den Koffer und in den einen
Raum passen.
Die Idee war aber nicht Überwältigung, sondern eine Umkehrung des Verhältnisses
von Bild und Titel. Die Titel spielen eine wichtige Rolle in meinem Werk, ziehen sich
aber gerne in ihr Versteck hinter den Bildern zurück. Ihre Poesie kommuniziert etwas,
dessen Milieu das heimliche Selbstgespräch ist und das laut auszusprechen grobe
Dissonanzen provoziert. Diesmal aber werden die Titel ans Licht geholt und die Wörter
von der Leine gelassen – nicht in einer lediglich installativen Geste, sondern eben
durch die Tatsache, dass die gezeigten Bilder Wiederholungen sind. Die Reproduktion
verschiebt die Aufmerksamkeit vom Sichtbaren zum Denkbaren; zu sehen sind
mit den gestickten Miniaturen also nur Beispiele für die ihnen zugeschriebenen Titel,
und die Betrachter sind aufgefordert, sich weitere Möglichkeiten auszumalen.
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What happens when works of art are repeated? My textile images, in any case, are not
unique in the same way paintings are, where every brushstroke is a singularity. They
follow a digital design; there are paper patterns that make them reproducible, and I
keep these, even though I usually refrain from creating duplicates or variations. For
the exhibition »doubles let the words off the leash«, I have reproduced all the works
created to date as embroideries on a scale of 1:15—so that they fit into the suitcase
and within a single room.
The idea, however, was not to overwhelm, but to reverse the relationship between image
and title. Titles play an important role in my work, yet they tend to conceal behind
the images. Their poetry conveys something whose natural habitat is secret soliloquy,
and which, when spoken aloud, provokes shrill dissonance. This time, however, the
titles are brought to the fore, and the words are let off the leash—not merely as an
installation-based gesture, but precisely because the images on display are repetitions.
Reproduction shifts the focus from the visible to the conceivable; thus, the embroidered
miniatures exhibited are only examples of the titles attributed to them, and
viewers are invited to imagine further possibilities.
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grundstein35.klingt.org
grundstein.at
© Fotos: Grischa Lichtenberger
ANSWER MACHINE
Grischa Lichtenberger & Sarah Ambrosi
ECK Museum of Art, Bruneck, 8.11.–30.11.2024
Kunst
wird oft analog zu dem einfachen Kommunikationsmodell von Sender und Empfänger
als zweiseitiges Geschehen zwischen Produzent und Rezipient erklärt. Die
künstlerische Produktion denkt man daran anschließend einerseits als solitäre
Auseinandersetzung mit mehr oder weniger relevanten Fragen und andererseits als
bewusste Positionierung in und gegenüber dem gesellschaftlichen und kulturellen
Kontext.
Jenseits
dieser beiden Aspekte zieht sich eine oft vergessene Spur der Adressierung des
Anderen durch künstlerische Werke, finden sich hier vielfältige Niederschläge
von Gesprächen mit Freunden, Geliebten, Gleichgesinnten. In der Ausstellung
ANSWER MACHINE versuchen Sarah Ambrosi (*1981 in Brixen) und Grischa Lichtenberger
(*1983 in Bielefeld), die zusammen in Berlin leben, eben diese intime Korrespondenz
zu beleuchten, die klandestine Dimension ihrer Werke in den Blick zu bringen.
Korrespondenz
meint hier das tatsächliche, mitunter schriftliche Gespräch miteinander, das
Rückhalt schenkt und Trotz angesichts der Unsinnigkeit des eigenen Tuns ermöglicht
– aber nicht, weil der Andere eine tragfähige Antwort hätte, sondern weil ihn die
gleichen Fragen umtreiben und er so die Fragwürdigkeit selbst bestätigt. Die
Adressierung des Anderen berührt darüber hinaus die Sphäre der existenziellen
Bedeutung, von der die Kunst zehrt und die sie zu bezeugen sucht, die aber gegenüber
einer anonymen Öffentlichkeit so nicht zu halten wäre. Neben dem ausdrücklichen
Gespräch verweist Korrespondenz auch auf die zuweilen unwillkürliche Resonanz
zwischen und in den Werken selbst. Unter der Hand infizieren sie einander, hinterrücks
übertragen sich Strategien, entwickeln sich Ähnlichkeiten, ergeben sich Bezüge,
wuchert der Dialog heimlich in den Arbeiten fort.
Das
Gespräch, auch wenn es im Raum der Vertrautheit und Intimität stattfindet, ist aber
keine glatte Einhelligkeit, keine abgesicherte Nähe und oft nicht einmal eine
hinreichende Verständigung über die aufgeworfenen Fragen. Es besteht vielmehr
aus lauter Verschiebungen, Ablenkungen, Umwegen und ist gerade von der
Differenz gezeichnet, wird immer wieder von der Andersheit des Anderen, von seiner
Transzendenz wie von der eigenen Undurchsichtigkeit eingeholt. Wie Kunstwerke haben
Gespräche „wolkige Stellen“ (Walter Benjamin), hier wie dort sind Gesten,
Zeichen und Worte lediglich um das Unsagbare herum gewoben, das sich wie ein
Gespenst dem direkten Zugriff entzieht.
Der
Andere, der unserem Fragen und Zweifeln Rückhalt gibt und eine leise Hoffnung
einschreibt, ist also (wie Gott) gerade keine ANSWER MACHINE, die verlässlich passende
Antworten geben würde. Im Gegenteil, brauchbare Antworten bleiben wir einander
schuldig. Gerade dieses Schulden, unsere immer unzulängliche Übersetzung des
Unsagbaren, setzt aber ein unendliches Gespräch in Gang, in dem es gerade nicht
um den Austausch von Informationen geht, nicht um den Inhalt des Gesagten,
sondern um das Sagen und Antworten selbst.
© Fotos: Grischa Lichtenberger
ZWISCHEN KISSEN
Bilder und Interventionen aus Textilien von Sarah Ambrosi
Schloss Welsperg, 7.6.–31.10.2024
Selbst bei geschlossenen
Fenstern ist in den Räumen von Schloss Welsperg der Pidigbach zu hören
– das Verhältnis der Bewohner zur Ewigkeit muss, eingebettet in dieses unaufhörliche
Fließen und Rauschen, innig gewesen sein. Und doch haben sie es für nötig
befunden, eine Festung zu errichten, die sie abschirmt gegen die Welt und davor
bewahrt, sich spurlos im allumfassenden Sein aufzulösen.
Steine über Steine,
meterdicke Mauern, die Jahrhunderte bleiben, und dazwischen zerbrechliche
Menschen, prächtig geschmückt in ausladendem Gewand. Alles hier spricht vom
Gewicht, das gegen die Zeit in die Zeit geworfen wurde, ein Schiff und ein
Anker, ein Gefährt und ein Lot – gegen das Verlorengehen in beiderlei Hinsicht:
Schwere, um nicht weggespült zu werden ins Vergessen, und Wendigkeit, um nicht liegenzubleiben,
sondern mit der Zeit zu reisen.
In der Ausstellung
"zwischen kissen" zeigt Sarah Ambrosi ihre jüngsten Arbeiten, die sie
während einer dreimonatigen Artist Residency in Südtirol speziell für Schloss
Welsperg entwickelt hat, sowie ausgewählte Stücke aus Berlin.
https://www.gsieser-tal.com/de/hot-spots/burgen-schloesser/schloss-welsperg.html
https://freight.cargo.site/m/F1869315217099980631978209852137/handzettel-deutsch.pdf
https://freight.cargo.site/m/Y1869323900960093562970761738985/handzettel-englisch.pdf
© Fotos: Anna Schäffler